Flugtaxis – die Zukunft der Mobilität? 

Flugtaxis – die Zukunft der Mobilität? 

Schnell und entspannt in der Luft von A nach B kommen, während andere Menschen im Stau stehen oder noch auf ihren Zug warten müssen – ohne die Freisetzung von Emissionen. Könnte diese Vision mit den Flugtaxis in Zukunft real werden? Oder verschwindet das neue Mobilitätskonzept wieder so schnell, wie es gekommen ist? In diesem Artikel widmen wir uns dem Status Quo der Flugtaxis und stellen drei vielversprechende Konzepte vor.

Das Wichtige für Sie – Kurz & knapp aufgelistet:

 

  • Flugtaxis sind meist elektrisch angetriebene Luftfahrzeuge.

  • Sie haben die Fähigkeit, senkrecht zu starten und zu landen.

  • Ihre Reichweite liegt unter der von konventionellen Flugzeugen.

  • Es gibt bereits einige Hersteller, die Flugtaxi-Prototypen herstellen.

  • Frühestens 2025 werden wir die ersten Lufttaxis in deutschen Städten sehen.

Inhaltsverzeichnis

Das Flugtaxi

Was ist ein Flugtaxi?

Unter einem Flugtaxi oder auch Lufttaxi versteht man ein Luftfahrtzeug, das zum Personen- oder Frachttransport im Landesinneren verwendet wird. Anders als zu herkömmlichen Flugzeugen ist ein Lufttaxi in der Lage, senkrecht zu starten und landen. Außerdem sollen zukünftige Flugtaxis in der Lage sein, vordefinierte Routen autonom und ohne einen Piloten fliegen zu können. 

Wie funktioniert ein Flugtaxi?

Damit ein Flugtaxi in der Lage ist, senkrecht starten und landen zu können, brauch es einen speziellen Antrieb. Dieser Antrieb wird bei fast allen Flugtaxi-Konzepten durch einen Elektromotor mit mehreren Propellern sichergestellt. Neben rein elektrischen Lufttaxis gibt es auch Konzepte, die hybrid angetrieben werden. Darunter versteht man neben dem Einsatz eines Elektromotors auch die Verwendung eines konventionellen Motors, der beispielsweise mit Kerosin angetrieben wird. Auch die Verwendung von Wasserstoff als Antriebsmittel wird aktuell erprobt. Dieser soll eine Brennstoffzelle im Inneren antreiben, die wiederum den Motor mit dem nötigen Strom versorgt. Die Propeller befinden sich bei einem Flugtaxi meistens horizontal auf der Oberseite des Flügels. Damit wird Fähigkeit des Senkrechtstarts und der Senkrechtlandung ermöglicht.

Wo gibt es bereits Flugtaxis?

Aktuell gibt es noch keine Städte, in denen Lufttaxis als Transportmittel zur Verfügung stehen. Das könnte sich aber schon bald ändern. So plant beispielsweise das Bundesland NRW, ab 2025 die ersten Flugtaxis als Verkehrsmittel in der Stadt einzusetzen. Doch bevor das der Fall sein wird, muss ein vollständiges Mobilitätskonzept ausgearbeitet und erprobt werden. Dabei geht es vor allem darum, den sicheren und störungsfreien Betrieb über bewohntem Gebiet sicher zu stellen.

Was kostet ein Flugtaxi?

Die Kosten eines Flugtaxis variieren von Hersteller zu Hersteller. Laut der Aussage eines Anbieters soll es bereits Flugtaxi-Modelle geben, die sich im mittleren fünfstelligen Bereich ansiedeln lassen. Und die Kosten für einen Flug im Taxi? Auch hier lassen sich keine exakten Werte nennen. Im Schnitt sollen aber pro Flugminute ungefähr 10€ pro Passagier berechnet werden. Mit diesem Preis ist ein Lufttaxi deutlich teurer als ein Zug oder Mietwagen. Jedoch lassen sich die Ziele schneller und einfacher erreichen. Besonders für Geschäftsreisende, die Wert darauf legen, schnell am Ziel anzukommen, könnte das Lufttaxi also eine echte Alternative sein.

Wer baut Flugtaxis?

Aktuell arbeiten viele verschiedene Unternehmen und Start-ups an der Entwicklung von Flugtaxis. Wir wollen im Folgenden die Konzepte von Volocopter, Airbus und Lilium näher vorstellen. Wir starten mit dem Start-Up Volocopter, welches bereits im Jahr 2007 gegründet wurde und damit zu den Vorreitern der Flugtaxihersteller zählt.

Diese drei Flugtaxis gibt es bereits heute:

Volocopter

ADAC-Volocopter Lufttaxi
Eignet sich der Volocopter auch als Flugtaxi für Notärzte? Genau das wird aktuell vom ADAC getestet. Quelle: ADAC Presseportal und Volocopter GmbH.

Die Volocopter GmbH ist ein deutsches Unternehmen, welches seinen Hauptsitz in Bruchsal hat und 150 Mitarbeiter beschäftigt. Seit 2010 arbeitet das Unternehmen aktiv an der Entwicklung des Volocopters. Der Erstflug des Prototyps fand im Jahr 2011 in Karlsruhe statt. Der Volocopter ähnelt von seinem Aufbau her einem Multicopter. Angetrieben von insgesamt 18 Elektromotoren, die mit jeweils einem Propeller ausgestattet sind, kann der Volocopter durch die Änderung der jeweiligen Motorleistung Steuerbefehle umsetzen.

Technische Daten zum Volocopter

  • Maximale Startmasse: 600 kg
  • Flughöhe: ca. 2.000 m (6.500 ft)
  • Höchstgeschwindigkeit: über 100 km/h (54 kn)
  • Reichweite: 27 Kilometer
  • Passagiere: 2

Aktuell arbeitet die Volocopter GmbH an einer gemeinsamen Studie mit dem ADAC Luftrettung. Das Ziel dieser Studie ist, den Notarzt noch schneller an sein Ziel, also dem Patienten zu befördern. Das Institut für Notfallmedizin und Medizinmanagement der Ludwig-Maximilians-Universität München erprobt seit dem Frühjahr 2019 am Computer den Einsatz des Volocopters in der Luftrettung. Darüber hinaus sind auch weitere Forschungsflüge in der Realität geplant. Der Test findet in den Bundesländern Bayern und Rheinland-Pfalz statt.

CityAirbus

CityAirbus Flugtaxi
Der CityAirbus erinnert mit seinen vier Propellergondeln an einen Quadrocopter. Quelle: Airbus Helicopters.

Der CityAirbus ist ein Gemeinschaftsprojekt von Airbus Helicopters und Siemens. Das Projekt ging aus einer positiven Machbarkeitsstudie im Jahre 2015 hervor. Der Erstflug des CityAirbus fand am 3. Mai 2019 in Donauwörth statt. Er ist mit insgesamt vier Propellergondeln ausgestattet. Der Antrieb erfolgt mittels acht Propeller, von denen sich zwei in jeweils einer Gondel befinden. Beide Propeller drehen dabei in gegenläufige Richtungen. Ähnlich wie beim Volocopter erfolgt die Steuerung durch die Drehzahländerung der Propeller. 

Technische Daten zum CityAirbus

  • Maximale Startmasse: über 1.600 kg
  • Flughöhe: ca. 500 m (1.500 ft)
  • Höchstgeschwindigkeit: 120 km/h (65 kn)
  • Reichweite: 50-60 Kilometer
  • Passagiere: 4

Die Entwicklung des CityAirbus findet auf dem Flugplatz Donauwörth bei Airbus Helicopters statt. Airbus plant, die ersten bemannten Flüge im Jahr 2025 anbieten zu können. Neben dem Lufttaxi selbst gehört zum CityAirbus auch eine Bodenstation, die den Flugverkehr überwacht und durch ein Air-Traffic-Management Kollisionen vermeiden soll. Neben dem Einsatz als Lufttaxi hat Airbus in Erwägung gezogen, den CityAirbus auch als Shuttle auf festen Routen einzusetzen.

Lilium Jet

Lilium-Jet
Wirkt wie ein Flugzeug, kann aber senkrecht starten und landen: Der Lilium Jet. Quelle: Instagram Lilium/liliumaviation.

Sehen wir uns nun das dritte Flugtaxi an. Der Lilium Jet wird vom deutschen Unternehmen Lilium GmbH gefertigt. Der Namenszusatz Jet lässt im ersten Moment etwas anderes als ein elektrisch angetriebenes Flugtaxi vermuten. Jedoch wird der Lilium Jet mit insgesamt 36 elektrischen Mantelpropellern angetrieben, die sich in einem zylinderförmigen Gehäuse befinden. Von seiner Form her ähnelt er weniger einem Quadro- oder Multicopter, sondern eher einem Flugzeug. Die Tragflächen des Lilium Jets befinden sich verhältnismäßig weit hinten am Rumpf. Das Höhenleitwerk befindet sich an der Rumpfspitze.

Technische Daten zum Lilium Jet 5 Sitzer

  • Maximale Startmasse: 1.500 kg
  • Flughöhe: keine Angaben 
  • Höchstgeschwindigkeit: 280 km/h (65 kn)
  • Reichweite: 150 Kilometer
  • Passagiere: 5

Die Lilium GmbH plant nicht, den Lilium Jet zum Verkauf anzubieten. Vielmehr möchte sie als Dienstleister in Erscheinung treten und Flüge mit dem Flugtaxi anbieten. Der Hersteller plant, seinen Service ab dem Jahr 2025 in zwei Städten anzubieten. Der Lilium Jet stieß aber auch zeitweise auf scharfe Kritik. So wurden beispielsweise die Angaben der Reichweite von Luftfahrtexperten als nicht realistisch bewertet. Es bleibt spannend, ob Lilium diese Vorwürfe bei einem längeren Testflug final entkräften kann.

Wie realistisch sind Flugtaxis wirklich?

Volocopter, Airbus Helicopters oder Lilium – Flugtaxis sind heute keine Fiktion mehr und werden in Zukunft einen Teil zur Mobilitätswende beitragen. Die Pläne, im Jahr 2025 die ersten Lufttaxis in deutschen Städten einzusetzen, klingen aber sehr ambitioniert. Damit ein reibungsloser Ablauf ohne Kollisionen in der Luft gewährleistet werden kann, werden spezielle Luftverkehrssysteme benötigt. Bis diese Systeme ausgereift sind, die Prototypen der Taxis in der Serienfertigung angelangt sind und der Betrieb bundesweit starten kann, wird es wahrscheinlich noch länger als bis 2025 dauern. Doch wenn sich Lufttaxis etabliert haben, stellen sie durchaus eine Mobilitätsalternative für Personen dar, die schnell von A nach B kommen müssen und dafür das nötige Kleingeld mitbringen.